Protokoll der Sinne – 2. Kapitel

Kapitel 2

Ich will kein Engel sein 

Ich will in mir herum toben und in dir toben und nicht aufpassen müssen was ich sage und ich will schreien, so laut ich will und dir die Ohren zu halten und mir die Ohren zu halten und dich durch die Finger reden hören,verschwommen ahnen was du willst, machen was du brauchst, haben was du hast, und nehmen was ich will und anfassen was ich nicht darf und lecken, beißen, kratzen, wie die wild gewordenen Katzen und mich mit Samtpfoten ein kratzen, mir nichts sagen lassen und dir nichts sagen lassen und uns nicht gewähren lassen und nicht auf hören damit, immer weiter machen damit, anhalten, abwarten und neu beginnen was wir begonnen hatten, wimmern leis’ und leiser und in dir vergehen, uns nichts versprechen und nichts vormachen, und nichts nachmachen und nichts neu machen, das Alte umwerfen und das Neue nicht aufheben, mich hinab beugen und das Vergessene aufheben und das Entdeckte nicht verstecken, sondern dich verstecken –hinter mir, vor mir, unter mir, über mir, neben mir, neben dir und an dir, wenn du sagst – ICH LIEBE DICH – fauchen und flüstern und mit Engelszungen lügen nur für dich, ich will unsre Körper hetzten und unsere Finger an uns verbrennen und sie vergraben, so laut ich will und so tief ich will und dunkel weinen dabei, wenn ich will – dann will ich – dein Engel sein.
Wenn ich meine Flügel in den Himmel hängen kann und sie holen wenn uns danach ist, sie für lange Zeit vergessen und wieder damit KOMMEN, wenn ich soweit bin,
Nur dann werd ich dein ENGEL SEIN.

 

 

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